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Gefährliche Bücher oder leichtfertige Autoren?

 

Sie gehören tatsächlich zu denjenigen Träumern, die glauben, alle Antworten stünden in Büchern, nicht wahr? Aber Bücher sind nicht grundsätzlich hilfreich und gut. Sie können sogar ausgesprochen bösartig sein. Haben Sie jemals etwas von den Gefährlichen Büchern gehört? Manche von ihnen töten schon durch die kleinste Berührung.‘ Dann wurde mir schwarz vor Augen. 

(Walter Moers, Die Stadt der träumenden Bücher)

 

Ein Schriftsteller sollte sich niemals leichtfertig vor ein weißes Blatt Papier setzen. Diese Aussage stammt im Kern von Stephen King. Vielleicht mag der ein oder andere über die Aussage schmunzeln. Es ist nur ein beschriebenes Blatt Papier. Worte können nicht verletzen. Worte tun nicht weh. Worte können nicht gefährlich sein. Oder?

Bücher können beim Leser eine Menge auslösen. Bücher können Menschen verändern.

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Franz Kafka schrieb:
“Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.”

Diese Passage aus den Kafka-Briefen sowie der Auszug aus „Die Stadt der träumenden Bücher“ (Link führt zu Amazon) wirken auf den ersten Blick übertrieben.

Sind sie das wirklich?

Hat nicht jeder von uns schon einmal kopfschüttelnd ein Buch für einen Moment zur Seite legen müssen, um durchzuatmen? Haben uns Zeilen nicht zu Tränen gerührt? Haben die Bücher, die wir gelesen haben, uns nicht geformt?

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.

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Häufig hinterlässt ein Autor seine Handschrift in der Seele des Menschen, der sich in seine Hände begibt. Dieser Tatsache sind sich viele Schriftsteller nicht bewusst.

Sorgt dafür, dass ihr eine schöne Handschrift habt. Eure Widmung ist unabhängig von dem Genre, in dem ihr euch bewegt. Redet euch nicht damit heraus, dass ihr ja nichts „Böses“ schreibt, nichts mit Blut etc. Selbst ein Märchen für Kinder kann bis ins Mark erschüttern.

Der amerikanische Schriftsteller und Nobelpreisträger Saul Bellow sagte einst so treffend:

„Bei einem Schriftsteller muß man, wie bei einem Chirurgen, das Gefühl haben, in guten Händen zu sein, damit man sich im Vertrauen betäuben lassen kann.“

Ein Buch kann noch so »beißen« und »stechen« – wenn es aus der Feder eines Autors kommt, der sich seiner Verantwortung bewusst ist, wird es dem Leser niemals gefährlich werden können. Solch ein Buch wird seine Leser berühren, Emotionen wecken und sie auffangen, wenn sie drohen, zu fallen.

Bücher sind mehr als nur Worte.

 

Liebe Autorinnen & Autoren,

wenn ihr eure Leser in die Dunkelheit führt (egal in welchem Genre – auch Liebesgeschichten können »beißen«) sorgt bitte dafür, dass sie sich an eurer Seite vollkommen sicher fühlen. Nehmt eure Leser an die Hand, wenn es sein muss. Lasst sie frei, wenn sie sich sicher fallen lassen können. 

Die Leser nehmen es euch nicht übel, wenn ihr sie auch mal mit den Schattenseiten konfrontiert. Lasst sie nur nicht allein im Regen stehen, wenn ihr den Sturm heraufbeschworen habt. 

Ich kann mich Stephen King’s Appell nur anschließen: Setzt euch nicht leichtfertig vor ein weißes Blatt Papier. 

 

© 2018 Vanessa Heintz